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Die Legende des Hl. Florian
von Lorch
(Auszug aus Heinermann Der endlose Chor , von 1952 )
Zum Namenspatron Heiliger
Florian, Märtyrer, geboren zu Cetium (Zeiselmauer) bei Krems, gestorben
304 zu Laureacum (Lorch).Durch das friedliche Städtchen Cetium ritt
an einem Herbsttag des Jahres 304 ein römischer Soldat. Vor einem
weinumsponnenen Landhaus hielt er
an, sprang aus dem Sattel und warf einem Diener den Zügel zu. Wo
ist dein Herr? fragte er keuchend, während er sich den hellen
Schweiß von der Stirne wischte. Im Garten, erwiderte
der Diener. Sporenklirrend eilte der Legionär dem Garten zu und stand
bald darauf vor einem Mann, der trotz seiner grauen Haare in Haltung und
Blick den ehemaligen Offizier erkennen ließ. Ei schau! Florentinus!
begrüßte er freundlich den Ankömmling. Du siehst
mich bei der Arbeit. Die jungen Bäumchen müssen angebunden werden,
denn bald werden die Herbststürme ihnen in die Zweige fahren. Doch
was bringst du mir? Der Sturm ist da, edler Herr! entfuhr
es dem Reiter. Aquilinus, der römische Statthalter von Norikum,
hat, einem kaiserlichen Edikt folgend, vierzig christliche Soldaten aus
der zweiten italienischen Legion, deren Tribun du einst warst, ihres Glauben
wegen verhaftet. In wenigen Tagen sollen sie hingerichtet werden. Da
reckte sich der einstige Legionskommandant Florian hoch auf und sprach,
während in seinen Augen helles Feuer aufblitzte: So gehen meine
tapferen Soldaten in die Schlacht? Da darf ich, ihr alter Tribun, nicht
fehlen. Sofort soll mein schnelles Pferd gesattelt werden Wie ein
Junger sprang der greise Offizier wenig später in den Sattel und
ritt die Donaustraße hinauf, daß die Funken stoben. Abend
war es, als er die Türme der Römerfeste Laureacum aufragen sah.
Vor den Toren der Stadt begegnete er einem Fähnlein Berittener, die
vor ihm, dem einstigen Tribun, grüßend die Hand erhoben. Wohin
des Weges? fragte Florian. Haben seltsamen Befehl, erwiderte
der Anführer des Reiterhaufens. Wir sollen in den umliegenden
Dörfern die Christen aufspüren und dem Statthalter vorführen.
Da wünsche ich euch Glück zu gutem Fang! lachte
der Tribun. Einen habt ihr ja schon! Und wen?
forschte der Legionär verwundert. Mich! Auch ich bin ein Christ.
Also tut eure Pflicht und reitet mit mir zum Statthalter!Rasend
vor Zorn über den Wagemut des ehemaligen Offiziers, befahl Aquilinus,
ihn mit Knüppeln zu schlagen und mit eisernen Zungen zu peinigen.
Florian aber trug gleichmütig jegliche Tortur und sagte: Ich
habe für den Kaiser so manche Wunde erlitten, warum sollte ich für
Christus nicht auch ein paar Schrammen hinnehmen? Wütend gab
der Statthalter den Befehl, Florian von der Brücke in die reißende
Ems zu stoßen. Sofort schritt man zur Hinrichtung. Man fesselte
den ehemaligen Tribun, band ihm einen schweren Stein um den Hals und schleppte
ihn zur Brücke. Ohne mit der Wimper zu zucken, schaute Florian in
die dunkle Flut, die zu seinen Füßen gurgelte. Herr Jesus,
nimm meine Seele auf! betete er. Dann stieß man ihn in die
Tiefe. Die Wasser begruben ihr Opfer. Wenige Tage später fand eine
fromme Christin, namens Valeria, seinen entseelten Leib. Die Wellen hatten
ihn auf einen Felsstein gespült. Über der Leiche hielt ein Adler
mit ausgespannten Flügeln die Wacht. So ehrte er den Leib des christlichen
Märtyrers, wie sich der goldene Adler auf den Legionsfahnen grüßend
über die Gefallenen neigt. Heute noch beten in deutschen Landen die
Frommen in Wasser- und Feuersgefahren zu dem edlen Tribun, und manche
wackere Zunft ehrt ihn als ihren Schutzheiligen, nicht zuletzt die Brauer,
Seifensieder, Kaminfeger und die von der Feuerwehr. Wer aber ein neues
Haus erbaute, stieg auf die Leiter und malte über seine Tür
den wenig frommen Spruch:
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O heiliger Sankt Florian,
Verschone
unser Haus,
Steck andere dafür an!
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Aber was soll das schon? Einen guten Scherz
wissen die Heiligen schon zu ertragen.
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